Der Trierer Sinto und Holocaust-Überlebende Christian Pfeil hat der Klasse 10a eindrucksvoll von seiner Familiengeschichte berichtet. Begleitet wurde er dabei von seinem Neffen und dem Trierer Historiker Thomas Zuche.
Christian Pfeils Familie, die der Minderheit der Sinti angehört, war im Mai 1940 aus Trier deportiert worden. Pfeil selbst ist 1944 im Lager Lublin geboren worden und hat den Holocaust als Baby überlebt - was ganz selten war. Seine Mutter hatte ihn mit zur Zwangsarbeit genommen. Viele seiner Familienmitglieder sind in den Konzentrationslagern ermordet worden. Der Holocaust sei letztlich der negative Höhepunkt eines jahrhundertelangen Antiziganismus gewesen, der nur durch die Mitwirkung und die Gleichgültigkeit der deutschen Bevölkerung möglich gewesen sei.
Nach Kriegsende war die Familie Pfeil, die schon seit 600 Jahren in Deutschland Vorfahren gehabt habe, nach Trier zurückgekehrt – doch auch in der Nachkriegszeit hat sie Diskriminierung und Vorurteile erlebt. Auf den Ämtern in Trier habe sein Vater jene Beamte wiedergetroffen, die für die Deportation seiner Familie verantwortlich gewesen seien. Eine Entschädigung wurde den Familienmitgliedern, die den Horror der Konzentrationslager und Zwangsarbeit schwerkrank überlebt hatten, verweigert.
Christian Pfeil hat den Schülerinnen und Schülern geschildert, wie schwer es war, sich nach der Verfolgung ein neues Leben aufzubauen, und dass die gesellschaftliche Ausgrenzung der Sinti und Roma bis heute andauere. Als er begonnen hatte, öffentlich gegen Rechtsextremismus Stellung zu beziehen, haben Neonazis zweimal sein Trierer Restaurant zerstört und er erhielt Morddrohungen.
Trotzdem engagiert sich Christian Pfeil seit vielen Jahren weiterhin gegen Antiziganismus und für eine lebendige Erinnerungskultur. 2024 hat er vor den Vereinten Nationen in New York über seine Erfahrungen gesprochen. Vor dem Besuch bei der Klasse 10a hatte er gerade eine Rede im Europaparlament gehalten. Der weltweite Aufstieg von Rechtsextremisten mache ihm Angst. Pfeil rief die Jugendlichen dazu auf, Demokratie und Rechtsstaat zu verteidigen: Er hoffe, dass zukünftige Generationen aus der Geschichte lernen.





