Nationalpark-Projekte

Nachhaltigkeit im Nationalpark – Wir finden den Weg

comenius

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Nachhaltigkeit. Überfluss und Verschwendung, Ressourcenknappheit und Umweltbelastung, ausufernde Megastädte und sich entleerende Abwanderungsräume. Die Umgestaltung und Zerstörung der Natur und das Ausbluten des ländlichen Heimatraums zu Gunsten der globalen Ökonomie und der wirtschaftsstarken Cities hält unvermindert an. Jedoch, wir wollen weltweit und daheim unsere Natur schützen. Wir wollen Einkommen erzielen, uns ernähren und versorgen, auf dem Lande leben. Das muss kein Widerspruch sein. Gerade die Diskussion um eine nachhaltige Wirtschaftsweise birgt die Möglichkeit, nach neuen Wegen zu suchen. So stellte sich uns die Frage nach einer nachhaltigen Bewirtschaftung auch unserer ländlich geprägten Heimatregionen. Ist etwa der stetig wachsende „sanfte Tourismus“ ein gelingendes Beispiel für die schonende Nutzung unserer wohnortnahen Natur? Wird durch ein zeitgemäßes Management von Nationalparks regionales/lokales Einkommen erzielt oder sogar erhalten? Das will die deutsch-isländische Partnerschaft mit dem Titel „Nachhaltigkeit im Nationalpark – Wir finden den Weg“ auswerten und mitgestalten.
Unter Beachtung themenbezogener Recherchen und Naturbegehungen in Deutschland sowie auf Island zielt die bilaterale Comenius-Projektarbeit des Max-Planck-Gymnasiums Trier und der Menntaskólinn Egilsstöðum in Island darauf, den Zusammenhang zwischen Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum auf der regionalen und lokalen Ebene zu erfassen und erlebbar zu machen. Der Ländervergleich erschließt so auch zwei verschiedene Klima- und Geozonen Europas. Im Mittelpunkt der bilateralen Zusammenarbeit steht letztlich das projektorientierte Arbeiten, mit dem Ziel, die Rolle des Menschen, die bei der wirtschaftlichen Nutzung von Räumen im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie beachtlich ist, zu bestimmen. Da die Politik, die Wirtschaft und natürlich die Menschen selbst die Potenziale eines Naturraums hemmen oder fördern, ist die Kenntnis der Interdependenzen von Angebot und Nachfrage, von natürlicher Raumausstattung und ökologischer Belastung, von technologischen Fortschritten und Naturrisiken oder auch von wirtschaftlichem Wachstum und nachhaltiger Standortsicherung daheim und andernorts unerlässlich für die Bewertung dessen, was die Natur uns bietet oder auch zumutet. Die Erde, so heißt es, brauche uns Menschen nicht. Jedoch, es wird immer offensichtlicher, dass die Menschen die Natur brauchen und allerhand zu tun haben, wollen sie die irdische Schöpfung bewahren. Und es gilt die alte Weisheit des antiken griechischen Philosophen Heraklit: „pantarhei“ – „Alles fließt“. So verstanden ist die Natur kein gleichbleibendes Etwas, sondern in ständiger Veränderung begriffen. Ein immer wiederkehrendes, aktuelles Stereotyp hingegen lautet: Die digitalisierte Jugend von heute, die Digitals, verlöre das Bewusstsein für die Natürlichkeit, ja für die Natur schlechthin. Sie seien immer weniger dazu in der Lage, die Natur als einen Lebensraum zu begreifen, den es zu bewahren gilt. Stimmt das alles denn überhaupt?
Wir wollten es genauer wissen und vertieften uns erst einmal in die geographischen Grundlagen, erstellten Präsentationen und legten die Fakten auf den Tisch. Dann begaben wir uns hier wie dort aufs Land. Wir machten Halt in ausgewählten Lebensraumzonen der Nationalparks „Eifel“ und „Vatnajökull“. Auch ließen wir uns durch ausgewählte heimische Kultureinrichtungen führen und sprachen mit Vertretern von öffentlichen Körperschaften oder privaten Betrieben. Wir lernten das Leben der anderen in den jeweiligen Gastfamilien kennen, kochten in Einklang mit den Produkten des heimischen Raums und lernten ganz nebenbei, dass die Natur auf Island und in Deutschland Gesetzen unterliegt, die unterschiedlicher sind als das Projektthema bei flüchtiger Betrachtung ahnen lässt.
Nachhaltigkeit im Nationalpark, so kann man sagen, ist eine Herausforderung an den bewahrenden wie schaffenden Gestaltungswillen. Dass das wirklich kein Gegensatz zu sein braucht, wollen wir mit der Entwicklung einer digitalen Routen-App zeigen, die wir in Zusammenarbeit mit dem Vatnajökull-Nationalpark, dem größten seiner Art in Europa, für ausgewählte Gasträume des Parks erstellt haben. Doch auch für den Nationalpark „Eifel“ haben wir eine App entwickelt, die einzelne Lebensräume des Parks digital visualisiert. Wir finden den Weg – nicht als bloße Digitals, sondern als schaffende Menschen, die die technischen Möglichkeiten der Gegenwart als digitales Werkzeug nutzen – so der Untertitel unseres Projekts, firmiert zwar als Titelei, ist aber so betrachtet auch unser bilaterales Programm. Dass selbst die technisierte Welt Raum für Kultur lässt, ist eine ganz andere Geschichte. Wir haben sie auf Island und in Deutschland erlebt.
Monika Keuthen